Kaum eine Krebserkrankung kündigt sich so früh und so lange an wie der Gebärmutterhalskrebs. Zwischen sieben und 20 Jahre kann es dauern, bis sich aus einer harmlosen Zellveränderung ein bösartiger Tumor entwickelt. Wird die Veränderung rechtzeitig erkannt, bleibt damit ausreichend Zeit, um gezielt einzugreifen.
Eine wichtige Rolle spielt dabei die gynäkologische Dysplasie-Sprechstunde in der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe am Sophien- und Hufeland-Klinikum. Die von Chefarzt Dr. Jörg Herrmann geleitete Sprechstunde wurde jetzt erneut von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifiziert. Die Zertifizierung bestätigt, dass die Sprechstunde weiterhin die hohen fachlichen und organisatorischen Anforderungen an die Diagnostik und Behandlung von Zellveränderungen am Gebärmutterhals und im äußeren Genitalbereich erfüllt.
Die häufigste Ursache für Dysplasien – also die Zellveränderungen am Gebärmutterhals oder im äußeren Genitalbereich – sind Humane Papillomviren (HPV). Diese Viren sind besonders bei jungen Frauen verbreitet und werden unter anderem durch Geschlechtsverkehr übertragen. Die meisten Frauen infizieren sich im Laufe ihres Lebens mit HPV. Meist gelingt es dem Immunsystem, die Viren zu bekämpfen.
Auch ein auffälliger Abstrich bedeutet nicht automatisch, dass eine Krebsvorstufe oder Krebs vorliegt. In der Dysplasie-Sprechstunde wird der Befund genauer untersucht. Häufig kann dabei Entwarnung gegeben werden. Mitunter handelt es sich lediglich um eine harmlose Entzündung. „Aber auch leichte Dysplasien, also leichtgradige Krebsvorstufen, haben eine sehr hohe, bis zu 70-prozentige spontane Rückbildungstendenz und man kann erst einmal abwarten“, erklärt Dr. Herrmann. „Die Sprechstunde zielt also einerseits darauf ab, Krebsvorstufen rechtzeitig vor der Entstehung von Krebs zu erkennen und zu behandeln, andererseits sollen dadurch unnötige Operationen vermieden werden“, führt der erfahrene Mediziner weiter aus.
Patientinnen, bei denen der Zellabstrich der frauenärztlichen Vorsorgeuntersuchung ein unklares beziehungsweise auffälliges Ergebnis aufweist oder bei denen mehrmals HPV nachgewiesen wurde, können mit einer Überweisung ihres niedergelassenen Gynäkologen unter der Rufnummer 03643/57-1600 einen Termin für die Dysplasie-Sprechstunde vereinbaren.